Da geht´s lang
FDP-Ortsverband Bergen

Das Präzeptorhaus darf nicht verkauft werden

Laut Antrag der CDU vom 08. 01. 2019 an den Bürgermeister der Stadt Bergen soll das Präzeptorhaus, das jetzt als Bücherei der Stadt Bergen dient, verkauft werden. Wie schlecht muss die Finanzlage der Stadt sein, dass man ein solch ein Haus, das seit 1793 im Besitz der Stadt ist, nun „abgestoßen“ werden soll (allein die Ausdrucksweise für ein altehrwürdiges Haus ist abstoßend).

Auch wenn das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, verbindet doch ein großer Teil der Bergener Bevölkerung mit diesem Haus vielfältige Erinnerungen und ein gesundes Traditionsbewusstsein. Es beherbergte nicht nur die Wohnung des Präzeptors Heinrich Friedrich Römstedt, sondern wurde auch für kirchliche Einrichtungen, als Schule und als Standesamt genutzt. Zahlreiche Bergener werden sich gut erinnern an die Zeit vor dem Bau der neuen Kreismittelschule, jetzt Anne Frank Oberschule, als die Präzeptorklasse jahrelang ihre Klasse war. 

Als Begründung für den Verkauf wird u. a. angeführt, dass das Gebäude „erhebliche“ bauliche Mängel aufweise und die Sanierung „erhebliche“ Investitionen erfordern würden. Da fragt man sich doch, warum ein altes Haus, das der Stadt gehört, in der Vergangenheit nicht sorgsam gepflegt wurde.

Der Hintergrund dieses Vorhabens stimmt zumindest nachdenklich. Das Geld soll dem Eigentümer, dem Besitzer der Grundstücke am Heisterkamp nach der Übergabe an die Stadt zufließen, damit dieser die Mittel zur Sanierung der ihm gehörenden Hofstelle Lukenstraße 2 verwenden soll, die sich allerdings in einem „erbarmungswürdigen Zustand“ befindet. Dieses Anwesen, so die CDU, soll dann im Rahmen der Sanierungsförderung saniert werden und langfristig an die Stadt Bergen zur Unterbringung der Bücherei und des Stadtarchivs verpachtet werden.

Da ergeben sich mehrere Fragen: Wie hoch sollte der Verkaufserlös für das Präzeptorhaus sein? Wie viel Mittel bekommt der jetzige Eigentümer zusätzlich durch die Sanierungsförderung? Warum kann das Präzeptorhaus nicht mit Mitteln der Sanierungsförderung saniert werden? Wie hoch wird die Pacht sein für das Anwesen Lukenstraße 2 nach der Sanierung? Wie will man den Eigentümer dazu verpflichten, mit dem erhaltenen Geld das marode Haus tatsächlich zu sanieren? Gibt es einen entsprechenden Vertrag? Warum sollte diese Transaktion nach dem Willen der CDU schon am Tag der Ratssitzung vom 25. 03. 19 beschlossen werden, ohne vorher in den zuständigen Ausschüssen beraten zu werden? 

Die dargelegten Überlegungen betreffen zwar das Präzeptorhaus, gleiches gilt auch für das Gebäude, in dem das Stadtarchiv untergebracht ist und die ehemalige Zulassungsstelle am Museum beherbergte. Auch das war einmal ein Teil der Mittelschule.

Text: H. Holz